| Abends
war der Jagdgast, in Begleitung seines Freundes, bei der Jagdhütte
eingetroffen. Nach einen gemütlichen Hüttenabend, mit allerhand „Grünem
Latein“ gewürzt, verließ uns der Freund des Jagdgastes wieder und wir
begaben uns in die Federn um noch etwas Schlaf zu finden ehe es Aufbruch zur
Jagd hieß. Eine gute Stunde vor dem Hell werden verließen wir die Jagdhütte
um ins Gamsgebirg aufzusteigen. Ich wählte einen Revierteil der um diese
Jahreszeit (Dezember) zwar schwer erreichbar war, jedoch sicheren Anblick versprach. Nach einer halben Stunde Anstieg beschloss ich umzukehren denn der
gute Mann hustete würgend und schnaufte mit knallrotem Gesicht zum Gott
erbarmen. Er war zwar erst Anfang dreißig, schien aber die Marlboros nicht
recht zu vertragen. Als ich ihm mitteilte diese Jagd abzubrechen und es lieber
entlang des Talboden, in der Horizontalen, auf einen Gams zu versuchen, dachte
er einige Minuten nach und fragte ob wir am Ziel mit sicheren Anblick rechnen könnten.
Ich gab ihm zur Antwort das es den hundertprozentig sicheren Anblick nicht gäbe,
jedoch bei dieser Wetterlage und Jahreszeit die Jagd dort oben erfolgreich sein
müsste. Da sagte er das er da hinauf wolle, auch wenn er Blut und Wasser
schwitzen müsste. Also an Motivation fehlte es dem Afrikaerprobten Waidmann
nicht. Er war vor einen guten Jahrzehnt von Österreich dorthin ausgewandert und
arbeitete dort als Präparator und jagte viel in seiner Freizeit. Weiter
ging’s durch den Schnee der bis übers Knie reichte und streckenweise auch bis
zum Bauch langte. Nach „sechseinhalb“ Stunden erreichten wir endlich unser
Ziel. Es war ein gut gedeckter Bodensitz der sich etwas oberhalb der letzen Bäume,
in einen Latschenkussel eingebettet, befand. Der Jagdgast dampfte mächtig und
auch ich war ordentlich durchgeschwitzt. Bitter war es als sich der Berghang
ohne Gams zeigte, wohl waren viele Fährten und Stellen an denen das Gamswild
nach Äsung geschlagen hatte zu sehen, jedoch ein leibhaftiger Gams ließ sich
nicht blicken. Der Gast, ohnehin vom Aufstieg stark gezeichnet, kippte völlig
um als er diese Tatsache zur Kenntnis nehmen musste. Ich war sehr besorgt um ihn
als er da im Kreis durch den Schnee stapfte und unartikulierbare Laute von sich
gab und wild, sich immer wieder an den Kopf greifend, mit seinen Händen
herumfuchtelte. Nach einer halben Stunde hatte er sich beruhigt und war
ansprechbar. Da hier heroben trotz aller guten Voraussetzungen nichts zu holen
war beschloss ich einen raschen Abstieg zu machen um die restliche Zeit am
Talboden zu jagen. Begeistert war der Gast davon nicht. Es gelang mir aber ihn
schnell zu überzeugen und so schafften wir den |
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Abstieg,
in
einer guten Stunde, zur Hütte.
Dort wollte ich ihm dann einen Tee kochen und eine Jause richten.
Er lehnte ab und zog ein Kühlschrankbier vor, hängte sich eine Kippe in den
Mund und war nach einer Viertelstunde auf dem Damm. Eine robuste Natur schien
der Bursche zu haben da konnte man wirklich nichts dagegen sagen. Es war bereits
halb drei als wir von der Hütte loszogen um uns am Talgrund auf Gams zu
versuchen. Nach hundertfünfzig Metern konnten wir den ersten Lahner ein wenig
einsehen und es standen doch tatsächlich Gams dort. Als ich sie dem Gast zeigte
setzte er sich in den Schnee und sagte das er es bis zu diesen Gamsen nicht mehr
schaffe. Da staunte ich nicht schlecht. Da waren die Gams nun vierhundert Meter
von uns entfernt und er sagte mir das er nicht mehr könne, es nicht mehr da
hinauf schaffe. Aber ich motivierte ihn wieder und er stapfte wieder hinter mir
her. Der Wind war einigermaßen sicher und so pirschten wir sie durch einen im lückigen
Wald verlaufenden Steig, in Richtung eines Hochstandes der sich am Rand des
Lahner befand, an. Am Fuße des Hochstandes angelangt sagte ich ihm das er jetzt
vorsichtig hinaufsteigen soll, denn wir seien nun etwa knappe zweihundert Meter
von den Gams entfernt. Ungläubig staunte er mich an sagte das die Gams doch
zwei Kilometer weg seien, wobei er mit der linken Hand zum Grat hinaufzeigte. Da
waren auch welche und er hatte angenommen das ich die meinte und nur der
Motivation wegen eine kurze Entfernung angegeben hätte. Rasch war das Missverständnis
bereinigt und wir erklommen den Hochsitz. Als wir beide oben saßen sprach ich
die Gamsen durch das Spektiv an und fand auch eine alte, mir bekannte, nicht führende
Gamsgeiß darunter an. Als ich ihn eingewiesen hatte und er in Anschlag ging bekam
ich Herzklopfen da der Lauf seines Gewehres verdächtig wackelte. Nach einigen
Minuten brach dann der Schuss. Ohrenbetäubend rollte der Donner hinauf zur Höhe
während die Gamsgeiß, verendend in den Schnee sank. Nach Minuten des
Schweigens, Besinnens, durchbrach der Gast mit einem Freudenjuche die Stille.
Weidmannsheil. Bald war die Gamsgeiß versorgt und wir zogen in die beginnende
Abenddämmerung hinein, heimwärts. Am nächsten Tag wurde der Gast wieder von
seinen Freund abgeholt und sie fuhren zu dritt ab. Ja zu dritt, die Gamsgeiß
musste mit, denn der Gast wollte Sie nach Afrika mitnehmen um sie zu präparieren.
Ein halbes Jahr später wurde mir von Bekannten berichtet das diese 15-jährige
Gamsgeiß tatsächlich mitten in seinen Wohnzimmer als Ganzkörperpräparat auf
einen Felsen trohnte. So wurde aus einem Alpengams ein „Afrikagams“.
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