Jagderlebnisse von Frank Löwe und seiner Aika

Auf der Straße: Die Schlappen-Sau 
Die Jagd am Hasen Aus nächster Nähe
Auge in Auge Noch mal Hase
Der Parkplatzkeiler
In jedem Hund steckt ein bisschen Bestie:
Erste Kontakte zur Wundfährte
Die Frage: Richtig oder Falsch ?
Immer wieder Nachsuche

 

Vom Löwen und dem Hund

Aika vom Renchtal Vor nun knapp 3 Jahren, hat "Aika vom Renchtal" ( Wir bewegen uns schließlich in adeligen Kreisen)  den Weg von Ulm nach Staufenberg gefunden. Sie ist eine Tiroler Brackenhündin, eine in  Deutschland ausgesprochen selten vertretene Rasse, die sich besonders durch ihr ruhiges, besonnenes Wesen auszeichnet. Kurz: Sie ist genau wie ich. ( oder so ähnlich...)

 Schon ihr erster Auftritt hätte uns zu denken geben sollen: Als wir den Schlag öffneten und der  Hund seine Füße zum ersten mal auf Staufenberger Boden setzte, kam just in diesem Moment Nachbars  weißer Schäferhund angeschossen. Es entstand ein Tumult, unser Neuerwerb brachte sich schreiend  unter Nachbars Wagen in Sicherheit, Nachbars brachten schreiend ihren Hund in Sicherheit,  Frauchen schrie vor Unsicherheit und die Kinder schrien auch - mit Sicherheit! Es war toll. 

Dieser Tumult war so ganz nach dem Geschmack der Staufenberger. Überall gingen die Fenster auf  und man raunte sich zu: Löwe´s haben einen Hund.

Ruck zuck war der Wagen von einer Herde Kinder umringt, denen es letztlich gelang, Aika darunter  hervor zu locken. So wurde sie von Arm zu Arm gereicht und ist seither bekannt in der 1.500  Seelen-Gemeinde, wie der sprichwörtliche "Bunte Hund". Eine Einladung in den Kindergarten folgte,  und eine in die Schule. Es gibt keinen, der nicht unsere Aika kennt.

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Auf der Straße:

Inzwischen ist es so weit gekommen: Wir marschieren durch den Ort. Mein Hund und ich. Die Leute  bleiben stehen: "Ahhhh, da ist ja Aika...", grüßen den Hund und liebeln ihn ab, bis sie merken,  daß da noch jemand am anderen Ende der Leine hängt. Den Mann aber in grün, den kennen sie nicht  so genau. Nach kurzem Kopfnicken gehen sie schnell weiter.

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In jedem Hund steckt ein bisschen Bestie:

Dabei ist es nicht ungefährlich, sich in die Nähe des Hundes zu begeben, denn Aika ist  unberechenbar. Als sie neulich zwei Damen in weißem Jogginganzügen traf, begegnete sie der ihr  entgegengebrachten Begeisterung (" Ohhh, da ist ja Aika, komm her du mein Schatzele...") mit  einem beherzten Sprung auf die nicht unbeträchtliche Oberweite der einen Dame, verbunden mit  einem innigen Nasenstüberl ( In der Hundesprache ein Kuss) auf die Wange. Dabei hatte Aika leider  vergessen, daß sie kurz zuvor noch ihr beliebtes Spiel " Mach mir das Wildschwein" ausgiebig  gespielt hatte. Immerhin war anhand der Fußspuren der eindeutige Beweis erbracht, daß Aika  mühelos in der Lage ist, Sprunghöhen von 1,50 m zu erreichen. Das entspricht gut dem dreifachen  Stockmaß. Ich war stolz auf meinen kleinen Hund! Seither teilt sich das Dorf in zwei Gruppen: Die  in Arbeitsklamotten und die, die sich in die Hausflure retten, wenn die Bestie naht.

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Erziehung ist alles:

Aber unser Hund weiß auch - wenn´s darauf ankommt - mit seiner guten Erziehung zu beeindrucken :  Wieder waren wir zwei zu Fuß im Dorf unterwegs, mein Hund und ich. Letzterer ohne Leine, neben  mir.

Plötzlich begegnete uns, wild kläffend und mit gefletschten Zähnen, Gott sei gedankt an der Leine  seines kämpfenden Herrchens, einer dieser berüchtigten kleinen Hunde, die besonders durch ein  Schleifchen auffallen, welches zum Zwecke der Unterscheidung zwischen vorne und hinten an der  Stirne angebracht wird.

Jeder wird verstehen, daß mein unschuldiger Hund um sein Leben bangte ! Um nicht in die Klauen  dieser Bestie zu geraten befolgte sie die Kommandos ihres Herren auf´s genaueste: "Fuß", vor dem  Zebrastreifen "Sitz", schauen und wieder "Fuß". Es klappte perfekt!  Eben bog ich um die nächste Hausecke, gerade außer Blickweite der Leute hinter mir, da war es  vorbei mit dem Gehorsam und meine Aika stürmte wieder voraus. Aber ich konnte gerade noch hören,  wie die Frau dem Mann zuraunte: "Ich möchte wissen, wie der das hin kriegt, daß sein Hund so  horcht, bei unserem klappt das einfach nicht." Mit stolz geschwellter Brust kamen wir heim, mein  Hund und ich !

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Die Frage: Richtig oder Falsch ?

Einmal hatten wir allerdings auch unterschiedliche Auffassungen von dem, was richtig ist und was  falsch. Löwe´s hatten Frank Löwe mit seiner Aika Besuch. Eine immer wieder willkommene Gelegenheit, den tollen Hund  vorzuführen. " Neeiin, wir brauchen keine Leine, unser Hund haut nicht ab!" sprach ich und  wanderte mit unserem Besuch über die Felder. Eben erreichten wir die Waldkante, da sah ich im  Augenwinkel - zu spät - Aika starten, einer Rotte Sauen hinterher, und das helle Geläut eines  glücklich jagenden Hundes wurde leiser und verschwand am Horizont. Nur kurz mimte ich den  Überlegenen: "Ach was, die ist gleich wieder da", denn ich erkannte sehr schnell: Diesmal würde  es dauern...

So schickte ich unseren Besuch nach Hause und wartete auf meinen treuen Gefährten. Heftiger Regen  setzte ein. Ich rief, wanderte, rief, suchte. Mein Hund blieb verschollen. Völlig durchnässt gab  ich auf und marschierte Richtung Heimat.

An den ersten Häusern fing mich die "Hunde-Jule" ab: "Ach," säuselte sie, "Sie suchen wohl Ihren  Hund ?" Ich ahnte fürchterliches: Vor Stunden schon hatte Aika der Dame ein wenig Gesellschaft  geleistet und war sich dann, frisch gestärkt, weiter marschiert.

Als ich heim kam dämmerte es. Man freute sich, mich wieder zu sehen. Man hatte Kaffee getrunken  und der Hund lag an seinem Platz. Trocken natürlich, denn bei Regen treibt sich ja keiner gerne  draußen herum, oder?

Fazit: Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass mein Hund weiß, was er tut und horche auf ihn, so  gut ich kann.


So, soweit die Vorstellung von "Aika vom Renchtal". Es gibt Bände voller Geschichten zu erzählen.  Wir haben ja noch gar nicht über die Jagd gesprochen, wo sie ein anderes, spannendes Bild abgibt. 


Jetzt im zweiten Teil der Geschichtchen um Aika möchte ich von den Abenteuern in Wald und Feld  erzählen. Aber vorweg sei gesagt: Es ist alles frei erfunden, Personen und Namen sind rein  zufällig, und so weiter. Auch können alle lesenden Hundeführer es sicherlich besser als ich, denn  ich will kein Lehrbuch und keine Heldengeschichten schreiben, sondern Geschichten, die das Leben  schrieb, erzählen. Geschichten, die morgen vielleicht so wieder passieren könnten - oder auch  nicht - weil sie einmalig sind. Beurteilt selber:

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Die Jagd am Hasen

Der Züchter hatte uns gewarnt: "Intensiv am Hasen arbeiten." hatte er gesagt. "Sonst gewöhnt sie  sich an, weite Wege zu jagen, und das kostet immer Zeit..." Oh ja, vom Vorgängerhund kannten wir  dies aus eigener Erfahrung. Aber findet mal einen Hasen heutzutage. Zumal noch im Wald! Ich  durchstreifte meine kleine jagdliche Parzelle von vorne nach hinten, sah hinter jedem Baum nach:  Nichts. Kein Langohr in Sicht. Aber Rehe. Eifrig begeisterte sich mein Hund an der Jagd hinter  den lustig davonwippenden Rehwildspiegeln...

Aber: Nach spätestens 5 Min. war sie immer wieder da. Das tröstete ein wenig.  Immerhin: Ich änderte die Taktik dahingehend, daß ich die Jagd auf "nicht erlaubtes Wild"  abstellte. Inzwischen kann ich den Hund per scharfem Ruf stoppen. Meistens jedenfalls...

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Dann kam der Tag X: 

Vor uns zischte ein Hase davon ! Also: Hund an die Spur und los ging’s.  Dabei viel schon früh auf, daß Aika auf jedes Wild anders reagiert. Bei Rehen bellt sie  interessiert, bei Sauen dunkler. Aber beim Hasen überschlägt sich ihre Stimme. Helle  Begeisterung, wirbelwind. Die Flinte parat haltend stand ich bereit, und tatsächlich: Der Laut  kam zurück, Aika brachte den Hasen wieder! Die Spannung stieg: Wo? Da! Jetzt? Hund - Has? Husch -  vorbei. Schon entfernte sich der Laut in die entgegen gesetzte Richtung. Ich will es kurz machen:  Herrlich ist das Brackieren am Has, aber irgendwie schwierig auch. Noch ist es mir - trotzt  einiger Möglichkeiten, die mir der Hund inzwischen verschafft hat - nicht gelungen, auch nur  einen einzigen Langohr zu erwischen. Am Hund lags nicht...

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Die Jagd am Hasen, zweiter Teil 

Einmal, es war an einem Sonntag. Um die Zeit, wo man normalerweise in der Kirche zu sein pflegt.  Ein guter Zeitpunkt, so dachte ich, es wieder einmal zu versuchen. Prompt kamen wir auf eine  Spur, der Hundelaut entfernte sich, ich machte mich fertig. Doch dann war plötzlich etwas anders:  Es krachte und rumpelte im Holz, mehrere - mindestens drei Hundestimmen waren zu hören. Nun kam  der Laut wieder auf mich zu. Irritiert von dem Gekrache und der seltsamen Vielstimmigkeit" meiner  Aika bemerkte ich den Hasen zu spät, konnte auch den direkt folgenden Hund nicht mehr abfangen  und ging grübelnd hinauf zum Weg. Da sah ich schon von weitem jemanden auf mich zulaufen. Er  wedelte mit den Armen und japsend rief er schon von weitem: Hören Sie, was ich grad erlebt habe! Und dann erzählte er, wie plötzlich ein Hase auf ihn zugerannt sei, verfolgt von einem schwarzen  Schatten. Beinahe sei er seinem Husky in den Rachen gesprungen. Habe im letzten Moment kehrt  gemacht und sei zurück in eine Hecke gesprungen. Aus dieser kam dann jedoch nicht nur der Hase,  immer noch verfolgt von meinem Hund, sondern eine ganze Rotte Sauen, mindestens 15! Denen sind  dann seine Hunde hinterher gejachtert... Na ja, das Revier war mal kräftig durchgemischt  worden... So viel zum Einjagen am Hasen.

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Noch mal Hase

Ein letztes Hasenerlebnis am Rande, weil’s so schön war: Wir zwei, Aika und ich hatten gerade eine Unterrichtsstunde Wann Jagen erlaubt ist - und wann  nicht" eingelegt. Im ersten Teil hatte Aika selbstständig - unerlaubter Weise - ein paar Rehe  durchs Revier gescheucht. Nun stand der zweite Teil an, in dem ich ihr meine Ansicht zu dem Thema  vermitteln wollte. Zu diesem Zwecke hatte ich sie mitten auf einem Weg, frei an meinem Rucksack  abgelegt und war selber ein paar Schritte weiter gegangen. Dort stand ich nun und hantierte mit  der Waffe herum. Bei einer der Anschlagübungen, die dem Hund verdeutlichen sollten Jetzt bin ich  am Jagen und nicht du", tauchte überraschend ein Hase im Fadenkreuz auf, der schnurstracks auf  mich zuhoppelte. Das war zwar so nicht geplant, schien mir aber doch ganz nützlich für meinen  Zweck... Allerdings konnte ich mich nicht mehr bewegen, denn der Hase verschwand nach unten aus  dem Fernrohr und hatte wenige Sekunden später meine Jagdstiefel erreicht, die er nun intensiv  bewindete! Oh Schreck, das war noch viel weniger geplant gewesen... Keiner kann sich vorstellen, wie schwer ein Jagdgewehr werden kann. Ich linste zu meinem Hund:  Der saß auf meinem Rucksack, schlotterte, daß man meinen konnte, es müsse ihn gleich zerreißen.  Aber er hielt aus. Herr, warum strafst du mich so?" mag sie gedacht haben. Oder: Siehst du, ohne mich tanzen Dir  doch die Hasen auf deinen Füßen herum..."  Das Spiel endete, als ich schließlich doch ermattet die Waffe sinken ließ. Da flitzte das Langohr  davon. Ich hechtete herum und stoppte Aika, die bei dieser Flucht nun doch noch hatte starten  wollen. Aber ein Fingerzeig genügte. Die Einheit war gelernt...

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Erste Kontakte zur Wundfährte

Aikas Züchter hatte auch erkannt, daß dieser Hund ein richtiger Nachsuchentyp sei. Ruhig vom  Wesen, stark in der Nase.  Auch hier konnten wir zwei Seiten des Hundes kennen lernen. So ausgelassen und wild sie toben  kann, so ruhig ging sie an ihren 1. Anschuß. Leichter fleckiger Schnee lag, es war windstill. Das  Kitz hatte Tiefblatt gezeichnet. Ideal zum Anfangen. Konzentriert, jederzeit auch zu stoppen,  fand sie zum Stück. Diese Übung haben wir oft genug gemacht. Leider hat sie inzwischen an  Temperament zugelegt, so daß man inzwischen den Riemen bisweilen schon fest anpacken muss. Vor  allem, wenn die Übung zu leicht ist. Am Stück ist dann mit einem Schlag die Arbeit erledigt. Ist das Stück verendet, ist es keinen  weiteren Gedanken mehr wert. Dies ist manchmal schade, hat jedoch auch Vorteile. So stand ich einmal in einem Buchenaltholz. Aika war mit den Treibern mitgegangen. Plötzlich,  unverkennbar, der Laut meines Hundes am Reh! Der Laut kam auf mich zu, die Rehe auch: Bock, Kitz,  Ricke. Das Kitz verendete im Knall, die anderen Rehe sprangen aus dem Treiben. Mein Hund  kontrollierte ansatzweise das Kitz,  (Uninteressant weil verendet...)und brachte kurz darauf die beiden übrigen Stücke zurück ins  Treiben, dem Nachbarschützen.

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Aikas erste gefundene Sau

Schon der erste Suchen-Kontakt zu Sauen hatte es in sich.: Auf einer kleiner Stupfel-Jagd" hatte ein Schütze eine einzelne Sau gefehlt". Auf meine Bitte hin  durfte ich die Fährte doch kontrollieren. Aika lag ungewohnt heftig im Riemen, nach kurzer Suche erster Schweiß! Eigentlich hätte ich hier abbrechen und erst mal beratschlagen  sollen. Aber der Ehrgeiz war stärker und das Glück uns hold: Nach 150 m lag - mit Waidwundschuss  - ein bereits verendeter Überläufer. Was für ein Dusel für den jungen Hund - und seinen  ehrgeizigen Führer.... Wehe, wenn die Sau noch gelebt hätte...

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Die Schlappen-Sau 

Sauen haben mich schon immer besonders angezogen.  Eines Tages war ich unterwegs zum Jägerstammtisch. Gute Hosen, frisches Hemd, Schläppchen. Als  ich dort eintraf, bat mich einer der Jäger, doch kurz mitzukommen. Er habe auf eine Sau geschossen. Sie sei bestimmt nicht mehr weit gegangen, aber er wollte nicht  allein zwischen den, von "Lothar" herumgewirbelten Stämmen herumklettern. Sofort sagte ich zu.  Eine kurze Totsuche auf eine Sau. Hund, was willst du mehr? Was kümmerte es da, daß es  stockfinster war? Und ein paar umgefallene Bäume können doch ein Löwen-Gespann" nicht  schrecken....!

Windwurf durch "Lothar" Kurz darauf kamen wir am Hochsitz an. Etwas irritiert stellte ich fest, daß die Schneise hüfthoch  mit Gras bewachsen, der Anschuß völlig unklar war. Aber der Schütze war sich sehr sicher. Aika  schleifte mich sofort, voller Diensteifer in Falllinie hangabwärts durch die Hecken bis auf den  unteren Weg, wo ich wieder mit dem Schützen zusammentraf. Nein, das wär nun überhaupt nicht die  Fluchtrichtung gewesen. Im zweiten Anlauf erwischten wir den Abgang, rechtsabknickend ging es  parallel zum Hang vorwärts, und plötzlich hatte ich im Kegel des Scheinwerfers die Bestätigung:  Schweiß. Grünlich... Dann ein Stück Gescheide. Ich kontrollierte nach Rückwärts und wir fanden  den Anschuß 20 m weiter als vom Schützen vermutet. Nach kurzem Kriegsrat unternahmen wir nun  einen erneuten Anlauf und fanden die Sau nach 150 m verendet. Wieder hatten Herr und Hund mehr  Glück als Verstand gehabt. Zwischen diesen Stämmen, wo die Taschenlampe mehr blendet als  beleuchtet und zwischen denen man sich kaum bewegen kann, wäre eine annehmende Sau bestimmt  nicht so lustig. Und unter diesen Umständen sind 150 m auch kein Pappenstiel... Als auf mein Rufen keine Antwort kam, machte ich mich daran - aus Gründen der Gewichtseinsparung  - die Sau aufzubrechen. Dann schleppte ich den Koloss hangabwärts, in der Hoffnung, auf einen Weg  zu kommen. Der war aber weit weg. Als ich unten ankam war ich schweißgebadet, die Schläppchen  waren schlapp, der Kerl darin auch. Aika hatte nur gelangweilt zugesehen. Sie konnte nicht  verstehen, daß man sich so mit einer toten Sau abmüht....

Genug fürs Erste mit der Nachsucherei. ( Obwohl man von solcherlei Geschichtchen doch viel für  sich selber lernen kann) Vielleicht ein andermal mehr davon.  Denn tolle Erlebnisse hatten wir auch mit lebenden Sauen !

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Wenn eine Sau ein Bad nimmt.

Anfang Mai. Aika pürschte neben mir durchs "Hohr Loch". Plötzlich zuckte ich zusammen: Da war doch  eine Bewegung gewesen ?! Ich sank auf den Boden, tatsächlich: Auf 20 m stand da eine Bache mit  ihren Frischlingen im Bach. Huch wo war eigentlich Aika geblieben ? Sekundenlang hatte ich sie  ganz vergessen! Im Augenwinkel sah ich sie neben mir sitzen: Sie starrte hinunter zum Bach und  bebte am ganzen Leib. Welche Aufregung! 5 min beobachteten wir dies seltene Schauspiel, dann  wagte ich mit Aika den Rückzug. Und es gelang: Ohne daß uns die Sauen mitbekamen, machten wir uns  aus dem Staube. Aber dieses Bild werde ich mein Leben nicht mehr vergessen: Mein Hund neben mir,  und vor uns die Sauen, ganz dicht, ganz ruhig. Sagenhaft. 

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Aus nächster Nähe

Im Winter war ich einmal bei Nacht unterwegs. Es war sehr kalt, der Schnee wies den Weg, der Mond  strahlte mit diesem tollen, unwirklichen Licht: Die Schatten stehen dann so, wie sie bei der  Mittagssonne stehen, und doch ist alles nur matthell beleuchtet.

Eiskristalle funkelten. Irgendwo bellte ein Fuchs. Ich liebe diese Nächte und es zieht mich  magisch raus. Aika brauch` ich nicht zu fragen, die ist begeistert, egal welches Wetter ist. So marschierte ich knirschenden Schrittes recht achtlos vor mich hin. Plötzlich, ganz nah unter  dem Weg ein Knacken, ruscheln und Blasen. Instinktiv warf ich mich in die Böschung. Ich hatte  Aika unter mir begraben, packte ihre Halsung: Sauen !!  Da schoben sich schon die ersten schwarzen Schatten auf den Weg. Aika unter mir bebte, aber ohne  einen Laut. Ich hatte das Halsband kräftig zugedreht... Langsam brachen die Sauen, näherziehend,  auf der anderen Wegseite. Schließlich trennte uns nur noch eine Straßenbreite! Die Sauen - 5 oder  6 Stück, ich weiß nicht mehr genau, waren genau gegenüber! Plötzlich merkte eine der Sauen etwas.  Hatte wohl in küsselnden Wind Witterung bekommen, ohne diese genau einsortieren zu können. Sie  blies und mahnte. Alle warfen auf. Gleich springen sie ab, dachte ich, doch weit gefehlt:  Unvermittelt sprangen sie auf einmal genau auf mich zu und rechts und links direkt an mir vorbei  die Böschung hoch. Kaum 10 m weiter sicherten sie kurz und begannen wieder zu brechen. Ich  brauchte einige Sekunden um zu verarbeiten, was grade geschehen war. So dicht war ich den  Schwarzen" noch nie gewesen .Ich hätte sie greifen können!  Plötzlich merkte ich, daß ich Aika losgelassen hatte. Aber die war genauso an den Platz gebannt  wie ich. Sie muß meinen Pulsschlag unter mir gespürt haben.  Wir warteten, bis die Sauen außer Sicht waren, dann schlichen wir weiter. Was für ein aufregendes  Erlebnis!

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Auge in Auge

Wieder ein Sonntag. Ein verregneter dazu. Wir inspizieren das Revier. Dabei schleichen wir nicht  etwa wie die Geister durch den Wald, sondern wir bewegen uns sportlich schnell, ohne auf die  Geräusche zu achten. Immerhin wollen wir Strecke machen", also km fressen..." Der Farn steht am Wegrand hüfthoch. Hier im Stangenholz haben die Sauen ganz frisch gebrochen.  "Vorsichtshalber" muß Aika an die Leine. Das versteht sie als Aufforderung zum Spiel. Sie hüpft  und tobt um mich herum, beist in die Leine und fesselt meine Aufmerksamkeit, da ich mit ihr  rumkaspere. Plötzlich Aika im Revier bemerke ich eine Sau vor mir, verhoffe. Da sind noch mehr! 6,7,8...  bestimmt 15 Sauen stehen plötzlich um mich herum, auf beiden Wegseiten. An manchen bin ich schon  vorbei gelaufen. Aika bellt wie eine Irre, doch die Sauen juckt das nicht. Da teilt sich rechts  hinter mir der Farn: Ein Keiler, ich schwörs, wie ich ihn noch nie gesehen hab. Mindestens 100 kg  ! Da kommt mir der Gedanke, mit dem Handy den Jagdbeständer zu rufen. Soll er die Gelegenheit auf  den Bassen nutzen. Ich befinde mich noch auf der Seite des jagdlichen  ( befreundeten) Nachbarn. Doch : Kein Funkkontakt. Langsam wird mir ein wenig mulmig zumute. Zu  dicht rücken mir die schwarzen Kerle auf die Pelle. Und der dicke Brocken schaut gar nicht  freundlich.... Aika ist auch still geworden. Sie ist irritiert, daß die Schwarzkittel ihr Bellen  nicht ernst nehmen. Wir beschließen : Rückzug. Langsam schieben wir uns um die nächste Kurve  zurück. Puh, heraus aus dem Kessel. Eine viertel Stunde warten wir, dann schleichen wir erneut um die Kurve. Die Sauen sind  tatsächlich noch immer da. Jetzt will ich’s wissen. Ich brülle den Keiler an: Hey, sieh zu, daß  du ins rechte Revier kommst ! Hier jagt der Nachbar!"  Das ist ihm scheinbar völlig wurscht. Mürrisch schaut er mich an, dann wendet er brummend, und  wiederwillig schiebt er sich brechend davon. Mit ihm die Rotte.  Ich vermesse die Fährte. ½ Jahr später steht das gleiche Siegel in meine Revier. Es gelingt mir,  die Sau zu strecken: ein ca. 7 Jahre alter Keiler mit 96 kg. Ob es der Kumpel" aus dem eben  beschriebenen Erlebnis war?

Habt ihr was gemerkt? Ich habe noch immer nicht von der Heldengeschichte geschrieben, mit der ich  das Photo betitelt habe. Aika, der Held vom Mai. Tja, ein wenig Spannung hab ich mir noch  aufgehoben. Außerdem gibt es noch spannende "Alpen-Gschichten" zu berichten, abenteuerliche  Wassererlebnisse, weitere Nachsuchenstories und von der Liebe das eine oder andere Schmankerl.  Aber nur, wenn ihr wollt. - äh und ich die Zeit zum Schreiben finde...  Also, vielleicht bis zum nächsten mal. Wer weiß... Und viele Grüße von Aika ! 

 

Immer wieder Nachsuche

Es schneit wie verrückt. Kaum hat der Herr seine Wohlfühl-Klamotten übergestreift, sich ein Bier gegriffen, um langsam den Tag abzustreifen, da schellt das Telefon. Der Hund schnellt hoch: Das kann nur mir gelten! Und tatsächlich. Ein Jäger ist es: Komm nach Müllenbach, ich hab auf eine Sau geschossen. Eine halbe Stunde später stehen wir am Anschuss. Sieben Sauen waren es. Mit dem Schuss sprangen 4 Sauen nach unten ab, 3 nach oben, darunter die Kranke.
Der Schweiß führt jedoch nach rechts, und während der Schütze noch nach oben hin kontrolliert, ob vielleicht eine zweite Sau betroffen sein könnte, zieht der Hund streng hangabwärts. Genau unter der Kanzel geht es durch, mitten hinein in die Sturmfläche, die "Lothar" geschlagen hat. Guter Schweiß lässt uns weitermachen. Nach 100 m finden wir ein handtellergroßes Stück Lunge! Nun geht es parallel zum Hang weiter, schließlich steil bergauf und auf einem Wurzelteller liegt die verendete Sau, 25 kg.
Die Kugel sitzt hinterm Blatt, aber die 7x64 hat keine "Masse" erwischt und vermutlich deshalb so schlechte Wirkung gezeigt. Immerhin stehen wir 150 m vom Anschuss entfernt.

Nach 4 Fehlsuchen auf gesundes Wild, bzw. Verkehrsopfer  endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis, wenn's auch nicht so schwierig war.
Wir ziehen die Sau an die Straße und stehen noch diskutierend, da hält ein Cabriolet, dem eine "aufgemotzte" Blonde entsteigt. Völlig aufgeregt berichtet sie, sie habe eben ein großes weißes Tier überfahren.
Hinweise auf Hermelin und Katze weist sie zunächst von sich, danach weist sie uns ein. Aber alles Suchen hilft nicht: Von dem "großen Weißen Tier" sind keine Spuren zu finden.
Nicht bekannt ist, ob die Dame gerade von einer Weihnachtsfeier kam.

Frank Löwe  2001

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Der "Parkplatzkeiler"

 

Herrlicher Schnee, nicht zu kalt, etwas Huddelwind. 
Die Stände werden im Losverfahren verteilt. Einer der Schützen, wir nennen ihn "Frank", zieht Los Nr. 13. Er wird gebeten zu tauschen, weil ein anderer "scharf" auf seinen Platz ist. Und da er im Laufe seiner Jahre gelernt hat, daß es keine schlechten Plätze gibt, willigt er ein.
Überrascht ist er aber doch, als der Ansteller ihm die Kreuzung direkt am Parkplatz der Autos als seinen Stand zuweist. Ein Riesenhallo um ihn herum, Autos, Treiber, Schützen. Sollte es doch schlechte Plätze geben?
Langsam wird es stiller. Die Treiberstimmen verhallen talwärts, der Jäger orientiert sich. Mit Wild ist hier wohl kaum zu rechnen, wohl aber mit Fußgängern... Rechts ist eine Hütte, hier stehen die Autos. Frank orientiert sich also nach links. Wenn überhaupt, dann da. Lustig knallt es überall. Auf dem Parkplatz ist alles ruhig. Kurz vor Ende des Treibens ein leises Knacken von RECHTS. Im Bestand sind die starken Läufe einer Sau auszumachen. Die Waffe fliegt an die Wange, Finger an der Brenneke, denn sicherlich ists eine Bache und weit ists auch nicht. Stille. Wars eine Täuschung gewesen? Nein sicher nicht. Dann plötzlich Bewegung: Eine außergewöhnlich kapitale Sau - das ist ja ein Keiler ! - fliegt aus der Dickung, auf den Weg, der auf der anderen Seite wieder von dichtem Buschwerk eingegrenzt wird. Der Zielstachel steht etwas vorne als der Finger sich krümmt - und patsch - fährt die Brenneke heraus. Sch... durchzuckt es den Schützen, der hätte die große Kugel gebraucht. Die Sau zieht den Kopf zur Seite und rolliert. Mit dem Rücken liegt sie zum Schützen. Frank geht ein paar Schritt auf den Keiler zu. Die ist nicht "tot" gefallen, irgend wie zu kompakt. Aber auf den Rücken schießen mag er nicht, und den Stand verlassen...?
In diese Gedanken hinein zieht die Sau die Läufe unter den Körper, huscht in den Graben, so daß nurmehr die Rückenlinie zu sehen ist, und ist weg, ohne daß ein Schuß abgegeben werden kann, obwohl die Waffe die ganze Zeit über an der Wange lag.
Ja so ein Mist.... Selbstvorwürfe. Wie ein Anfänger. Was für einen Schuß hat die Sau? Heijeijei. Was man alles hätte besser machen können!
Und ALLE kommen an den Anschuß ( Parkplatz.) Im Boden könnte man versinken. Wie stark war die Sau?, Viel zu früh haste geschossen! Warum haste nich nochmal geschossen? Da schießt man, solange man die Sau sieht, egal wohin! 
Allen ist klar, daß der Keiler ja nur dort kommen konnte! Da muß man doch vorbereitet sein! Die Ratschläge machen es nicht besser.
Einen 11m soll man nicht selber schießen, aber die Nachsuche macht der Schütze selber, darauf besteht er. Er will seinen Fehler wieder gut machen. Bedauerlicherweise ist die Sau nach 100 m über die Grenze und der dortige Jagdherr, ein älterer, einflußreicher Mann will unbedingt mit. Er ist verärgert über den saudummen Schuß und dann noch auf seinen Keiler, den man ja nun schon seit langem kennt. Das bekümmert nun den Schützen doch sehr.

zum Anfang "Parkplatzkeiler"

Mit dabei ist auch der Herr Jagdaufseher, auch ein älterer, sehr erfahrner Mann, untersetzt, nicht unwitzig, aber sehr ergeben.
Komplettiert wird die Nachsuchenmannschaft von einem hochdekorierten Hundeführer, der sogar den goldenen Schweißriemen aufweist. Von diesem müsste man eine eigene Geschichte erzählen, so lehrreich ist das Zusammentreffen mit diesem Mann, der es wirklich "drauf" hat, aber wir wollen endlich mit der Suche beginnen.
Die Jagdgesellschaft ist längst weiter gezogen.

Am Anschuß : Braune Erde, am Anwechsel 2 m Fluchten, Trittsiegel stumpf und rund, eine sehr starke, und auch an Jahren reife Sau muß es gewesen sein. Schnitthaare, kein Schweiß.
Nach 20m ein erster Schweißtrofen, ein kleiner Wildpretfetzen, kurz darauf geht der Schweiß richtig los. Stetig tropft es Wildpretschweiß, der Hund liegt ruhig im Riemen, kein Problem ists für ihn. In der Dickung gibts keinen Schnee mehr, aber der Fährte lässt sich gut folgen. Nach ½ std stoppt der Hund, sicher bergauf: Dort oben liegt eine Rotte Sauen. Die haben nichts mit uns zu tun und lassen uns passieren !
Langsam kommen erste Zweifel auf, ob die Sau zu bekommen ist. Man diskutiert über den Sitz der Kugel. Endlich wird beschlossen: Wir teilen uns. Zwei Mann gehen auf den nächsten Weg, flügeln vor, zwei Mann suchen beim Hund. Weiter und weiter gehts, nach langer Zeit knickt plötzlich die Fährte scharf ab, in Fallinie hangabwärts. Hoffnung keimt auf, wenngleich der Schweiß etwas anderes sagt: Die Sau kann nicht schwer krank sein, die Kugel muß verd. hoch sitzen. Die Sau zieht jetzt scheinbar ganz ruhig vorhin. Mitten auf einer Kreuzung hat der Keiler verhofft, und sich dann ins offene Stangenholz gewandt.
Nach 4 Std, alle sind patschnaß, schweigsam und hoffnungslos, hört schließlich der Schweiß ganz auf. Wir gelangen zur übernächsten Reviergrenze. Der Hund hat tolle Arbeit geleistet. Er will weiter. Aber wir entschließen uns zum Abbruch. Die Sau hat einen weiten Bogen geschlagen, ist inzwischen 2 Ortschaften weiter und scheinbar auf dem Rückweg. Wir vermuten aus all den Pürschzeichen einen Krellschuß, der verheilen wird.

Der Fußmarsch zum Ausgangspunkt wird lang. 
Viele gute Ratschläge lang. Ratschläge von alten, erfahrenen Jägern, die es nur gut mit einem meinen. Was nutzt es da, daß man selber schon 25 Jahre lang jagt?

Der Jäger will nicht mehr in die Kneipe. Zum ersten Mal verpasst er das große Strecke legen. Ein erfolgreicher Jagdtag wars für die andern. Er muß unter die Dusche...

So erfährt er erst am nächsten Tag, daß zwei Ortschaften weiter ein 7-jähriger Keiler zur Strecke gekommen ist, der dort schon seit langem bekannt und zu Hause war. Er hatte eine "nicht ganz frische" Wunde im "Genick"...

Frank Löwe  2002



Wenn Ihnen die Erlebnisse von Frank Löwe und seiner Aika gefallen, schreiben Sie Ihm doch ein eMail. Frank freut sich gewiss darüber!
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